Axitinib generisch verfügbar

Axitinib, welches bislang ausschließlich als Originalpräparat Inlyta® im Handel war, ist seit Juli 2025 als Generikum in Deutschland erhältlich.

Indikation und Dosierung

Die Zulassung und Dosierung der Generika entspricht dem Originalpräparat Inlyta®:

  • Fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom nach Vorbehandlung mit Sunitinib oder einem Zytokin: als Monotherapie
  • Fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom: Erstlinientherapie in Kombination mit Pembrolizumab
  • Anfangsdosierung: 5 mg 2 x täglich, unabhängig von Mono- oder Kombinationstherapie
  • Dosiserhöhung: Bei guter Verträglichkeit kann die Dosierung im Therapieverlauf auf 7 mg 2 x täglich und weiter auf 10 mg 2 x täglich erhöht werden. Bei Monotherapie sollten jeweils 2 Wochen, bei Kombination mit Pembrolizumab jeweils 6 Wochen zwischen den Dosiserhöhungen liegen

Quellen:

Fachinformation Axitinib-ratiopharm®, April 2025, Zugriff: 20.08.2025. https://www.fachinfo.de

Fachinformation Inlyta®, Juni 2025, Zugriff: 20.08.2025. https://www.fachinfo.de

Fachinformation Keytruda®, Juni 2025, Zugriff: 20.08.2025. https://www.fachinfo.de

Indikationserweiterung Cabozantinib (Cabometyx®)

Die Zulassung von Cabozantinib (Cabometyx®) wurde erweitert. Es ist ab sofort zur Therapie neuroendokriner Tumoren zugelassen.

Die neue Zulassung im Überblick

Neuroendokrine Tumore (pankreatisch oder extrapankreatisch), gut differenziert, nicht resektabel oder metastasiert, nach Vorbehandlung mit mindestens einer systemischen Therapie (exkl. Somatostatin-Analoga): als Monotherapie

Gut zu wissen

  • Die Dosierung von Cabozantinib (Cabometyx®) beträgt bei Monotherapie – analog den bisherigen Indikationen – 60 mg 1 x täglich
  • In Kombination mit Nivolumab zur Therapie des Nierenzellkarzinoms wird eine niedrigere Dosierung (40 mg 1 x täglich) eingesetzt
  • Cabometyx® soll mindestens 2 Stunden nach oder 1 Stunde vor einer Mahlzeit eingenommen werden

Zusammenfassung aller aktuellen Indikationen

  • Neuroendokrine Tumoren (NEU): vorbehandelt, gut differenziert, nicht resektabel oder metastasiert: als Monotherapie
  • Nierenzellkarzinom, fortgeschritten
    • Erstlinientherapie: in Kombination mit Nivolumab
    • Erstlinientherapie bei mittlerem bis hohem Risiko: als Monotherapie
    • vorbehandelt mit Anti-VEGF-Therapie: als Monotherapie
  • Leberzellkarzinom: vorbehandelt mit Sorafenib: als Monotherapie
  • Schilddrüsenkarzinom, differenziert: lokal fortgeschritten oder metastasiert, refraktär gegenüber (oder ungeeignet für) Radiojod, vorbehandelt: als Monotherapie

Hinweis: Cabozantinib kann auch zur Therapie des medullären Schilddrüsenkarzinoms eingesetzt werden. Hierfür ist das Präparat COMETRIQ® zugelassen, das abweichend dosiert wird!


Quellen:

Fachinformation Cabometyx®, Juli 2025, Zugriff: 31.10.2025. https://www.fachinfo.de

Fachinformation COMETRIQ®, April 2025, Zugriff: 31.10.2025. https://www.fachinfo.de

Inavolisib (Itovebi®)

Inavolisib (Itovebi®) wurde im Juli 2025 in der EU neu zugelassen. Inavolisib ist ein PI3K-Inhibitor (Phosphatidylinositol-3 Kinase). Neben Alpelisib – welches nach Marktrückahme nur noch als Import bezogen werden kann – steht Inavolisib als neue Therapieoption für das PIK3CA-mutierte, ER (Estrogenrezeptor)-positive, HER2-negative Mammakarzinom zur Verfügung. Idelalisib – ebenfalls ein PI3K-Inhibitor – ist nur im hämatologischen Bereich zugelassen.

Die wichtigsten Hintergrundinformationen zu Inavolisib


Wirkmechanismus

Kinase-Inhibitor mit Inhibition von PI3K (PI3K-α-Isoform = p110α) und zusätzlicher Fähigkeit zur Degradation der mutierten p110α-Untereinheit

Indikation

Mammakarzinom, ER-positiv, HER2-negativ, rezidiviert, lokal fortgeschritten oder metastasiert, mit PIK3CA-Mutation: in Kombination mit Palbociclib und Fulvestrant, sowie einem GnRH-Analogon bei prä-/perimenopausalen Frauen und männlichen Patienten

Das Rezidiv soll während oder innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss der adjuvanten endokrinen Therapie aufgetreten sein. Bei (neo)adjuvant mit einem CDK4/6-Inhibitor vorbehandelten Patienten sollte zwischen Therapieende des CDK4/6-Inhibitors und Nachweis des Rezidivs mindestens 12 Monate liegen.

Anfangsdosierung und Einnahme

  • 9 mg 1 x täglich
  • Einnahme mit oder ohne Nahrung

Der Kombinationspartner Palbociclib wird nach dem üblichen Einnahmeschema dosiert (125 mg 1 x täglich, Einnahme Tag 1-21, dann 7 Tage Pause).

Ausgewählte Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen

  • Hyperglykämie
    • Sehr häufige und bekannte Nebenwirkung von PI3K-Inhibitoren (ca. 60% der Patienten, ca. 6% Grad 3), Fälle mit Ketoazidose (gelegentlich)
    • Monitoring Nüchtern-Blutzucker (BZ) und HbA1c vor Therapiebeginn und regelmäßig im Verlauf
    • Einleitung oder Intensivierung einer antihyperglykämischen Therapie, ggf. Therapieunterbrechung und Dosisanpassung
  • Stomatitis sehr häufig (ca. 50% der Patienten, ca. 6% Grad 3) → Adäquate Mundpflege, prophylaktische Anwendung von Mundspülungen (in Zulassungsstudie wurden glukokortikoidhaltige Mundspülungen prophylaktisch und therapeutisch eingesetzt), ggf. Therapieunterbrechung / Dosisreduktion
  • Diarrhö sehr häufig (ca. 48%, ca. 4% Grad 3) → symptomatische Therapie mit Loperamid, ggf. Therapieunterbrechung / Dosisreduktion

Weitere Nebenwirkungen, die jedoch auch durch den Kombinationspartner Palbociclib bedingt sein könnten: u.a. Blutbildveränderungen (Thrombozytopenie, Anämie), Hautausschlag, trockene Haut, Alopezie, trockene Augen, Dysgeusie.

Ausgewählte Interaktionen

  • Inavolisib wird hydrolysiert und CYP-Enzyme scheinen keinen relevanten Einfluss auf die Metabolisierung zu haben
  • Der Kombinationspartner Palbociclib wird jedoch über CYP3A4 metabolisiert (hier wird eine Kombination mit starken CYP3A4-Inhibitoren und -Induktoren nicht empfohlen)

Quellen:

Fachinformation Itovebi®, Juli 2025, Zugriff: 31.10.2025. https://www.fachinfo.de

Fachinformation Ibrance®, Oktober 2024, Zugriff: 31.10.2025. https://www.fachinfo.de

Neue Wirkstärke Thalidomid

Von Thalidomid wurde eine neue Wirkstärke eingeführt: neben der bisher verfügbaren 50 mg Kapselformulierung (z.B. Thalidomid BMS®) gibt es nun eine neue Tablettenformulierung mit der Wirkstärke 100 mg. Das Präparat Thalidomid Lipomed® wurde bereits 2022 in der EU zugelassen, ist allerdings erst seit Juni 2025 in Deutschland verfügbar.

Indikation von Thalidomid Lipomed®

  • Nicht vorbehandeltes Multiples Myelom, sofern eine hochdosierte Chemotherapie nicht in Frage kommt und/oder die Patienten ≥ 65 Jahre alt sind: in Kombination mit Melphalan und Prednison
  • Die Zulassung entspricht den bereits zugelassenen Kapseln mit 50 mg

Gut zu wissen

  • Die Tabletten werden als bioäquivalent zu den Kapseln betrachtet, d.h. eine 100 mg Tablette Thalidomid Lipomed® entspricht zwei 50 mg Kapseln Thalidomid

Quelle:

Fachinformation Thalidomid Lipomed®, Mai 2024, Zugriff: 09.07.2025. https://www.fachinfo.de

Indikationserweiterung Acalabrutinib

Die Zulassung von Acalabrutinib (Calquence®) wurde erweitert. Es ist ab sofort zur Therapie des Mantelzell-Lymphoms (MZL) zugelassen. Zusätzlich kann Acalabrutinib neu auch bei Chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) in Kombination mit Venetoclax mit oder ohne Obinutuzumab eingesetzt werden.

Die neuen Zulassungen im Überblick

  • Nicht vorbehandeltes MZL, sofern eine autologe Stammzelltransplantation nicht in Frage kommt: in Kombination mit Rituximab und Bendamustin
  • Rezidiviertes / refraktäres MZL, sofern bisher kein Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitor eingesetzt wurde: als Monotherapie
  • Nicht vorbehandelte CLL: in Kombination mit Venetoclax ± Obinutuzumab

Gut zu wissen

  • Die Dosierung von Acalabrutinib beträgt – unabhängig von der Indikation und Kombinationspartnern – wie bisher 100 mg 2 x täglich
  • In Kombination mit Venetoclax wird Acalabrutinib zunächst über 2 Zyklen (à 28 Tagen) als Monotherapie eingenommen, Venetoclax wird ab Zyklus 3 zusätzlich eingenommen (Aufdosierung von Venetoclax zur Vermeidung eines Tumor-Lyse-Syndroms, wie bei CLL üblich: Start mit 20 mg 1 x täglich, dann wöchentliche Erhöhung auf 50 mg / 100 mg / 200 mg / 400 mg)

Zusammenfassung aller aktuellen Indikationen

Mantelzell-Lymphom (NEU)

  • nicht vorbehandelt, sofern eine autologe Stammzelltransplantation nicht in Frage kommt: in Kombination mit Rituximab und Bendamustin
  • rezidiviert / refraktär, sofern bisher kein Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitor eingesetzt wurde: als Monotherapie

Chronische lymphatische Leukämie

  • nicht vorbehandelt: als Monotherapie oder in Kombination mit Obinutuzumab
  • nicht vorbehandelt: in Kombination mit Venetoclax ± Obinutuzumab (NEU)
  • vorbehandelt mit mindestens einer Therapie: als Monotherapie

Quelle:

Fachinformation Calquence®, Juni 2025, Zugriff: 01.07.2025. https://www.fachinfo.de

Belzutifan (WELIREG®)

Belzutifan (WELIREG®), das im Februar 2025 in der EU zugelassen wurde, ist seit April in Deutschland verfügbar.

Belzutifan ist der erste zugelassene Inhibitor von HIF-2α (Hypoxie-induzierter Faktor 2-α). HIF-2α ist ein Transkriptionsfaktor, der in gesunden Zellen nur bei Hypoxie aktiv ist und zur Transkription von Wachstumsfaktoren führt, die u.a. für Zellproliferation, Erythropoese und Angiogenese verantwortlich sind. Bei normaler Sauerstoffsättigung sorgt das VHL-Protein (Von Hippel-Lindau-Tumorsuppressor) dafür, dass HIF-2α abgebaut wird. Beim klarzelligen Nierenzellkarzinom oder dem erblichen Von Hippel-Lindau-Syndrom kommt es zu einer Beeinträchtigung der VHL-Funktion, so dass sich HIF-2α anreichert und zu unkontrollierter Zellproliferation führt. Belzutifan inhibiert HIF-2α, normalisiert dadurch die Zellproliferation und hemmt die Angiogenese. Allerdings führt es auch zu einer reduzierten  Erythropoese (siehe Nebenwirkungen weiter unten).

Die wichtigsten Hintergrundinformationen zu Belzutifan


Wirkmechanismus

HIF-2α-Inhibitor

Indikationen

  1. Fortgeschrittenes, klarzelliges Nierenzellkarzinom, vorbehandelt mit mindestens zwei Therapielinien (inklusive einem PD-1- /PD-L1-Inhibitor und mindestens zwei Anti-VEGFR-Therapien)
  2. Von Hippel-Lindau-Syndrom-assoziierte Tumoren (Nierenzellkarzinom, Hämangioblastome des ZNS, neuroendokrine Pankreastumoren), die für lokale Therapien nicht geeignet sind

Anfangsdosierung und Einnahme

  • 120 mg 1 x täglich
  • Einnahme mit oder ohne Nahrung

Ausgewählte Nebenwirkungen und Supportivmaßnahmen

  • Anämie (sehr häufig auch ≥ Grad 3) → regelmäßig Blutbildkontrollen, ggf. Erythropoetin-Präparate, Therapiepause/Dosisreduktion
  • Hypoxie, ggf. mit begleitender Symptomatik wie Dyspnoe, Schwindel → regelmäßig Pulsoximetrie, ggf. Sauerstofftherapie, Therapiepause/Dosisreduktion
  • Blutungen (inkl. ZNS-Blutungen bei Patienten mit Hämangioblastomen des ZNS), Gewichtszunahme, Übelkeit, Fatigue

Ausgewählte Interaktionen

  • CYP2C19-Inhibitoren (z.B. Omeprazol!) vermeiden (erhöhtes Risiko von Nebenwirkungen)
  • Belzutifan selbst ist ein schwacher CYP3A4-Induktor → Abschwächung von entsprechenden Substraten möglich, v.a. relevant bei Wirkstoffen mit enger therapeutischer Breite

Quelle:

Fachinformation WELIREG®, Februar 2025,  Zugriff: 09.07.2025. https://www.fachinfo.de

Indikationserweiterung Pirtobrutinib

Die Zulassung von Pirtobrutinib (Jaypirca®) wurde erweitert. Es ist ab sofort zur Therapie der Chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) zugelassen. 

Die neue Zulassung lautet

  • Rezidivierte / refraktäre CLL, vorbehandelt mit einem Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitor: als Monotherapie

Gut zu wissen

  • Die Dosierung beträgt – wie bei der bisherigen Indikation Mantelzell-Lymphom – 200 mg 1 x täglich

Zusammenfassung aller aktuellen Indikationen

Mantelzell-Lymphom

  • rezidiviert / refraktär, vorbehandelt mit einem Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitor: als Monotherapie

Chronische lymphatische Leukämie (NEU)

  • rezidiviert / refraktär, vorbehandelt mit einem Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitor: als Monotherapie

Quelle: 

Fachinformation Jaypirca®, März 2025,  Zugriff: 09.07.2025. https://www.fachinfo.de

Vitamin-B1 Prophylaxe Fedratinib

Seit Februar 2025 empfiehlt die EMA bei Therapie mit Fedratinib (Inrebic®) eine prophylaktische Gabe von Vitamin B1 (Thiamin), um das Risiko einer Wernicke-Enzephalopathie (WE) zu reduzieren.

Hintergrund der neuen Empfehlung

  • Fedratinib ist ein JAK-Inhibitor, zugelassen zur Behandlung der primären Myelofibrose sowie verwandter myeloproliferativer Neoplasien
  • In klinischen Studien wurden Fälle von Wernicke-Enzephalopathie unter der Therapie beobachtet
    • Die WE ist als häufige Nebenwirkung beschrieben, selten traten schwerwiegende und tödliche Fälle auf
    • Die WE steht im Zusammenhang mit erniedrigten Thiaminspiegeln
    • Der zugrunde liegende Mechanismus ist unklar, eine Hemmung der Thiaminresorption durch Fedratinib scheint nicht ursächlich zu sein. Begünstigende Faktoren für eine WE können ein unzureichender Ernährungszustand und das Auftreten gastrointestinaler Nebenwirkungen unter Fedratinib sein

Aktuelle Empfehlungen laut Fachinformation

Vor Therapiebeginn: 

  • Bestimmung des Thiamin-Spiegels
  • Bei Thiamin < 70 nmol/l (entspricht ca. < 19 µg/l): Normalisierung des Thiamin-Spiegels vor Therapiebeginn erforderlich

Während der Therapie:

  • Prophylaktische Gabe von Vitamin B1: Vitamin B1 (Thiamin) 100 mg 1 x täglich p.o.
    • Als verordnungsfähiges Arzneimittel steht Thiamin z.B. unter den Handelsnamen „B1 ASmedic® 100 mg Tabletten“ oder „Vitamin B1 ratiopharm® 200 mg Tabletten“ (teilbar) zur Verfügung
  • Regelmäßige Kontrollen des Thiamin-Spiegels, insbesondere bei Risikopatienten (z.B. Mangelernährung, geringe Nahrungsaufnahme, gastrointestinale Toxizität)
  • Prophylaktische Antiemese: Fedratinib ist moderat-hoch emetogen,  in den ersten 8 Wochen der Therapie wird eine prophylaktische Antiemese empfohlen, die Einnahme mit einer fettreichen Mahlzeit kann die gastrointestinale Verträglichkeit verbessern
  • Symptomüberwachung: Ataxie, psychische Veränderungen und Sehstörungen durch z. B. Nystagmus oder Diplopie können Hinweise auf eine WE sein

Therapiemanagement bei erniedrigten Thiamin-Spiegeln während der Therapie:

  • Thiaminspiegel unter dem Normbereich, aber ≥ 30 nmol/l (bzw. 8 µg/l) ohne Anzeichen einer WE: Fedratinib pausieren, orale Thiamin-Substitution, Wiederaufnahme nach Normalisierung erwägen
  • Thiaminspiegel < 30 nmol/l (bzw. 8 µg/l) ohne Anzeichen einer WE: Fedratinib pausieren, intravenöse Thiamin-Substitution, Wiederaufnahme nach Normalisierung erwägen

Bei Verdacht auf WE:

  • Fedratinib sofort absetzen
  • Hochdosierte intravenöse Thiamin-Gabe einleiten
  • Neurologische Abklärung, Bestimmung des Thiamin-Spiegels sowie Bildgebung einleiten

Quellen:

Fachinformation Inrebic®, Februar 2025,  Zugriff: 09.07.2025. https://www.fachinfo.de

LAUER-Taxe® Online 4.0, Zugriff: 09.07.2025

Formelsammlung Labor Dr. Wisplinghoff, Zugriff: 09.07.2025. https://www.wisplinghoff.de/fuer-aerzte/formelsammlung/umrechner-einheiten-rechner

Repotrectinib (AUGTYRO®)

Repotrectinib (AUGTYRO®) wurde im Januar 2025 neu zugelassen. Wie die bereits verfügbaren Wirkstoffe Entrectinib und Larotrectinib ist es ein TRK-Inhibitor (Tropomyosin-Rezeptortyrosinkinase) mit tumoragnostischer Zulassung. Darüber hinaus hemmt Repotrectinib die Kinasen ROS1 und ALK (anaplastische Lymphomkinase) und ist somit eine zielgerichtete Therapieoption bei Patienten mit Nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) und entsprechenden Treibermutationen – vergleichbar mit Wirkstoffen wie Brigatinib, Crizotinib oder Lorlatinib.

Die wichtigsten Hintergrundinformationen zu Repotrectinib


Wirkmechanismus

Tyrosinkinase-Inhibitor mit Inhibition von TRK, ROS1 und ALK

Indikationen

  1. Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) im fortgeschrittenen Stadium mit ROS1-Mutation → Zulassung besteht nur für Erwachsene
  2. Solide Tumoren im fortgeschrittenen Stadium mit NTRK-Genfusion: nach Vorbehandlung mit einem TRK-Inhibitor oder wenn andere Therapieoptionen, die nicht auf TRK abzielen, ausgeschöpft sind oder deren klinische Nutzen begrenzt ist → Zulassung besteht für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren

Anfangsdosierung und Einnahme

  • Initial 160 mg 1 x täglich über 14 Tage
  • Dosiserhöhung ab Tag 15: 160 mg 2 x täglich
  • Einnahme mit oder ohne Nahrung – kein Konsum von Grapefruits / Grapefruitprodukten!

Ausgewählte Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen

  • Zentralnervöse und neurologische Nebenwirkungen
    • u.a. Ataxie, kognitive Störungen, Benommenheit, periphere Neuropathie, Dysgeusie → Verkehrstüchtigkeit kann eingeschränkt sein (es treten zudem sehr häufig Sehstörungen auf)
  • Muskuläre Nebenwirkungen
    • Häufig Myalgie, muskuläre Schwäche
    • Teilweise mit Erhöhung der CPK einhergehend → Rhabdomyolyse ist bisher nicht beschrieben
  • Interstitielle Lungenerkrankung (ILD) häufig
  • Hepatische Effekte
    • sehr häufig Erhöhung der Leberenzyme (2-3% Grad 3-4)
    • Monitoring ALT, AST, Bilirubin, Anwendung bei Patienten mit moderater / schwerer Leberfunktionsstörung wird nicht empfohlen
  • Knochenfrakturen häufig (Erwachsene) bzw. sehr häufig (Kinder), mit und ohne Sturzereignisse beschrieben
  • Embryofetale Toxizität
    • Ausschluss einer Schwangerschaft vor Therapiebeginn
    • Verhütung bei Frauen: hochwirksame Verhütung während und bis zu 2 Monate nach Ende der Therapie
    • Wichtig: die Wirkung hormoneller Kontrazeptiva kann eingeschränkt sein → zusätzliche Barrieremethode wird empfohlen
    • Verhütung bei männlichen Patienten: Kondom-Anwendung während und bis zu 4 Monate nach Ende der Therapie

Ausgewählte Interaktionen

  • Moderate / starke CYP3A4- und P-gp-Inhibitoren sowie -Induktoren vermeiden (erhöhtes Risiko von Nebenwirkungen bzw. eines Therapieversagens)
  • Repotrectinib selbst ist ein moderater CYP3A4-Induktor → Abschwächung von entsprechenden Substraten möglich (u.a. hormonelle Kontrazeptiva, siehe auch oben)
  • Interaktionscheck bei Therapiebeginn und bei Änderung der Begleitmedikation durchführen!

Quelle:

Fachinformation AUGTYRO®, Januar 2025, Zugriff: 09.07.2025. https://www.fachinfo.de

Lazertinib (Lazcluze®)

Lazertinib (Lazcluze®) wurde im Januar 2025 neu zugelassen. Es handelt sich um einen EGFR-Inhibitor (Epidermaler-Wachstumsfaktor-Rezeptor) der dritten Generation, der auch bei T790M-Resistenzmutationen wirksam ist. Neben Wirkstoffen wie z.B. Afatinib, Erlotinib, Gefitinib und Osimertinib erweitert Lazertinib das therapeutische Spektrum bei EGFR-mutiertem Nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC). Es wird in Kombination mit dem bispezifischen Antikörper Amivantamab eingesetzt, der sowohl EGFR als auch MET (mesenchymal-epithelialer Transitionsfaktor) inhibiert. Durch die Kombination soll die Effektivität erhöht und die Entwicklung von Resistenzen verhindert bzw. verzögert werden.

Die wichtigsten Hintergrundinformationen zu Lazertinib


Wirkmechanismus

EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitor

Indikation

Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) mit aktivierender EGFR-Mutation (Exon-19-Deletionen oder Exon-21-L858R-Substitutionsmutationen), zur Erstlinientherapie in Kombination mit Amivantamab

Anfangsdosierung und Einnahme

  • 240 mg 1 x täglich
  • Einnahme mit oder ohne Nahrung

Ausgewählte Nebenwirkungen und Supportivmaßnahmen

  • Venöse thromboembolische Ereignisseprophylaktische Antikoagulation mit direktem oralen Antikoagulanz (DOAK) oder niedermolekularem Heparin (NMH)
  • Okuläre Nebenwirkungen (u.a. Verschlechterung der Sehstärke, Keratitis) → Augenärztliche Vorstellung bei entsprechender Symptomatik
  • Nagelerkrankungen, Hautreaktionen einschließlich Hand-Fuß-Syndrom, Lichtempfindlichkeit, Stomatitis → adäquate Haut- und Mundpflege, prophylaktische Gabe von Doxy-/Minocyclin empfohlen, UV-Schutz beachten
  • Interstitielle Lungenerkrankung (ILD) häufig
  • Hepatotoxizität sehr häufig (9% Grad 3-4)
  • Parästhesien sehr häufig

Ausgewählte Interaktionen

  • CYP3A4-Induktoren vermeiden (erhöhtes Risiko eines Therapieversagens)
  • Lazertinib selbst ist ein schwacher CYP3A4-Inhibitor → erhöhte Plasmaspiegel von entsprechenden Substraten möglich, v.a. relevant bei Wirkstoffen mit enger therapeutischer Breite

Quelle: 

Fachinformation Lazcluze®, Januar 2025, Zugriff: 09.07.2025. https://www.fachinfo.de