Erdafitinib (Balversa®)

Erdafitinib (Balversa®), das im August 2024 in der EU zugelassen wurde, ist seit Januar 2025 in Deutschland verfügbar. Es handelt sich um einen Inhibitor des Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptors (FGFR). Im Gegensatz zu den bereits verfügbaren FGFR-Inhibitoren Futibatinib und Pemigatinib, die beim Cholangiokarzinom eingesetzt werden, ist Erdafitinib zur Behandlung des Urothelkarzinoms zugelassen. Es stellt damit die erste orale, zielgerichtete Therapieoption für das Urothelkarzinom dar.

Die wichtigsten Hintergrundinformationen zu Erdafitinib


Wirkmechanismus

FGFR-Tyrosinkinase-Inhibitor

Indikation

Nicht resezierbares oder metastasiertes Urothelkarzinom mit FGFR3-Mutation, vorbehandelt mit mindestens einer Therapielinie (inklusive einem PD-1- /PD-L1-Inhibitor, der im nicht resezierbaren oder metastasierten Stadium eingesetzt wurde)

Anfangsdosierung und Einnahme

  • Initial 8 mg 1 x täglich
  • Dosiserhöhung bei Serumphosphat < 9 mg/dl nach 14-21 Tagen: 9 mg 1 x täglich,
  • Einnahme mit oder ohne Nahrung – kein Konsum von Grapefruits oder Grapefruitprodukten!

Ausgewählte Nebenwirkungen und Supportivmaßnahmen

  • Okuläre Toxizität
    • Augenärztliche Untersuchung vor Therapiebeginn
    • prophylaktische Anwendung befeuchtender Augentropfen (alle 2 Stunden)
  • Hyperphosphatämie
    • Kontrolle Serum-Phosphatspiegel
    • Phosphatarme Ernährung bei Serumphosphat ≥ 5,5 mg/dl
    • Phosphatbinder bei Serumphosphat ≥ 7 mg/dl
    • Therapieunterbrechung bei Serumphosphat ≥ 9 mg/dl
  • Nagelerkrankungen, Hautreaktionen einschließlich Hand-Fuß-Syndrom, Lichtempfindlichkeit, Stomatitis
    • adäquate Haut- und Mundpflege, UV-Schutz beachten
  • QT-Intervall-verlängerndes Potential

Ausgewählte Interaktionen

  • CYP2C9- und CYP3A4-Inhibitoren vermeiden (erhöhtes Nebenwirkungsrisiko, Dosisreduktion Erdafitinib bei unvermeidbarer Kombination)
  • CYP3A4-Induktoren vermeiden (erhöhtes Risiko eines Therapieversagen, Dosiserhöhung Erdafitinib bei unvermeidbarer Kombination)
  • QT-verlängernde Wirkstoffe mit Vorsicht anwenden
  • Präparate, die Phosphat enthalten oder den Phosphatspiegel erhöhen können (z.B. Vitamin D3, Phosphathaltige Klistiere) vermeiden

Quelle:

Fachinformation Balversa®, Februar 2025,  Zugriff: 09.07.2025. https://www.fachinfo.de

Indikationserweiterung Encorafenib + Binimetinib

Die Zulassung von Encorafenib (Braftovi®) und Binimetinib (Mektovi®) wurde erweitert. Die Kombinationstherapie ist ab sofort zur Therapie des Nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) zugelassen.

Die neue Zulassung lautet

  • Fortgeschrittenes NSCLC mit BRAF-V600E-Mutation: Kombination Encorafenib und Binimetinib

Gut zu wissen:

  • Die Dosierung entspricht dem Einsatz bei Melanom: Encorafenib 450 mg 1 x täglich, Binimetinib 45 mg 2 x täglich
  • Binimetinib ist neu in der Stärke 45 mg verfügbar, so dass Patienten nun eine 45 mg-Tablette anstelle 3 Tabletten à 15 mg einnehmen können

Zusammenfassung aller aktuellen Indikationen

Binimetinib (Mektovi®

  • Melanom, nicht resezierbar / metastasiert, mit BRAF-V600-Mutation: in Kombination mit Encorafenib
  • NSCLC, fortgeschritten, mit BRAF-V600E-Mutation: in Kombination mit Encorafenib (NEU)

Encorafenib (Braftovi®)

  • Melanom und NSCLC, siehe Binimetinib
  • Kolorektales Karzinom, metastasiert, vorbehandelt, mit BRAF-V600E-Mutation: in Kombination mit Cetuximab → Achtung: Dosierung hier abweichend zu anderen Indikationen 300 mg Encorafenib 1 x täglich

Quellen:

Fachinformation Braftovi®, Juni 2025,  Zugriff: 09.07.2025. https://www.fachinfo.de

Fachinformation Mektovi®, Dezember 2024,  Zugriff: 09.07.2025. https://www.fachinfo.de

Indikationserweiterung Osimertinib

Die Zulassung von Osimertinib (Tagrisso®) wurde erweitert. Der Wirkstoff ist ab sofort zur Therapie des lokal fortgeschrittenen, inoperablen Nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) im Anschluss an eine platinhaltige Radiochemotherapie zugelassen.

Die neue Zulassung lautet

  • Lokal fortgeschrittenes, inoperables NSCLC mit EGFR-Mutation (Exon 19 Deletion oder Exon 21 Substitution): Monotherapie im Anschluss an eine platinhaltige Radiochemotherapie unter bzw. nach der es nicht zu einem Progress kam

Gut zu wissen

  • Die Dosierung entspricht den bisherigen Indikationen: Osimertinib 80 mg 1 x täglich
  • Bei der Anwendung von Osimertinib nach Radiochemotherapie kann es zu einer Verwechslung / Überlagerung einer Strahlenpneumonitis mit einer interstitiellen Lungenerkrankung (ILD) kommen
  • Symptome wie neu auftretender Husten, Dyspnoe, Fieber oder Infiltrate im Röntgenbild sollten immer differenzialdiagnostisch auf eine ILD bzw. Strahlenpneumonitis geprüft werden
  • Häufigkeit von Strahlenpneumonitis in der Zulassungsstudie (LAURA):
    • Bei 48% der Patienten, die Osimertinib erhielten und bei 38% der Patienten, die Placebo erhielten
    • Grad 3: etwa 2% der Patienten (im Osimertinib-Arm)
    • Grad 4 /5: nicht beobachtet
    • Mediane Zeit bis zum Auftreten: ca. 2 Monate in beiden Studienarmen
  • Während bei einer ILD die Therapie mit Osimertinib immer abgebrochen werden sollte, enthält die Fachinformation gesonderte Empfehlungen zur Unterbrechung / Wiederaufnahme von Osimertinib bei einer Strahlenpneumonitis Grad 1-2. Ab Grad 3 wird ebenfalls ein Abbruch der Osimertinib-Therapie empfohlen.

Aktuell zugelassene Anwendungsgebiete von Osimertinib beim NSCLC

  • Stadium IB – IIIA, EGFR-mutiert (Exon 19 Deletion / Exon 21 Substitution), adjuvante Therapie über 3 Jahre nach vollständiger Tumorresektion
  • lokal fortgeschritten, EGFR-mutiert (Exon 19 Deletion / Exon 21 Substitution), inoperapel, nicht progredient unter platinhaltiger Radiochemotherapie (NEU)
  • lokal fortgeschritten / metastasiert, EGFR-mutiert (Exon 19 Deletion / Exon 21 Substitution), Erstlinientherapie in Kombination mit Pemetrexed und platinhaltiger Chemotherapie
  • lokal fortgeschritten / metastasiert, EGFR-mutiert (aktivierende EGFR-Mutation), Erstlinientherapie
  • lokal fortgeschritten / metastasiert, EGFR-mutiert (T790M-Mutation), progredient unter Anti-EGFR-Kinaseinhibitor

Quellen:

Fachinformation Tagrisso®, Dezember 2024, Zugriff: 09.07.2025. https://www.fachinfo.de

Indikationserweiterung Ribociclib

Die Zulassung von Ribociclib (Kisqali®) wurde erweitert. Es ist ab sofort zur adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms zugelassen.

Die neue Zulassung lautet:

  • Frühes Hormonrezeptor (HR)-positives, HER2-negatives Mammakarzinom mit hohem Rezidivrisiko
  • Als adjuvante Therapie bei weiblichen Patientinnen und männlichen Patienten – in Kombination mit einem Aromatasehemmer
  • Die empfohlene Behandlungsdauer beträgt 3 Jahre

Hierauf sollten Sie besonders achten

  • Die Dosierung ist abweichend von der bisher eingesetzten Dosierung und beträgt 400 mg 1 x täglich (Einnahme von Tag 1-21, dann 7 Tage Pause)
  • Die Lagerungsbedingungen und die Haltbarkeit der Tabletten haben sich ebenfalls geändert. Die Tabletten müssen ab sofort bis zur Abgabe an den Patienten im Kühlschrank (2-8 °C) gelagert werden. Nach Entnahme aus dem Kühlschrank sind sie maximal 2 Monate bei Raumtemperatur (< 25°C) haltbar. Die maximale Gesamthaltbarkeit beträgt 12 Monate.

Zusammenfassung der aktuellen Indikationen

Frühes Mammakarzinom, adjuvant (NEU)

  • 400 mg 1 x täglich (Einnahme von Tag 1-21, dann 7 Tage Pause)
  • Therapiedauer: 3 Jahre
  • In Kombination mit einem Aromataseinhibitor + LHRH-Agonist bei prä-/perimenopausalen Patientinnen und bei männlichen Patienten

Fortgeschrittenes / metastasiertes Mammakarzinom

  • 600 mg 1 x täglich (Einnahme von Tag 1-21, dann 7 Tage Pause)
  • Therapiedauer: bis zum Progress/Unverträglichkeit
  • In Kombination mit einem Aromataseinhibitor oder Fulvestrant + LHRH-Agonist bei prä-/perimenopausalen Patientinnen

Quelle:

Fachinformation Kisqali®, Stand April 2025, verfügbar unter: https://www.fachinfo.de

Widerruf EU-Zulassung Pralsetinib

Der pharmazeutische Hersteller von Pralsetinib (GAVRETO®) hat aus wirtschaftlichen Gründen entschieden, das Präparat zukünftig nur noch außerhalb der EU zu vertreiben. Er hat daher um einen Widerruf der EU-Zulassung gebeten, dem die EMA im Oktober 2024 zugestimmt hat. Vorausgegangen war eine negative Nutzenbewertung des IQWiG.

Pralsetinib war zugelassen zur Therapie des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) mit RET-Fusion. Zukünftig steht Pralsetinib somit nur noch als Import aus den USA oder Kanada zur Verfügung.

Welche Alternativen gibt es?

Zur Therapie des NSCLC mit RET-Fusion steht aktuell nur noch ein weiterer Wirkstoff als zugelassene Therapie zur Verfügung: Selpercatinib (Retsevmo®). Selpercatinib ist beim fortgeschrittenen RET-Fusions-positiven nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) als Erstlinientherapie zugelassen.


Quellen:

Mitteilung der EMA zum Widerruf von Pralsetinib. Zugriff: 09.07.2025. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/gavreto

Fachinformation Retsevmo®, April 2025,  Zugriff: 09.07.2025. https://www.fachinfo.de